Text zu meinen Arbeiten

Ist nicht jedes Bild Ansicht einer Geschichte? Dieses Thema wurde mir – wie auch vielen anderen deutschen Schüler*innen – in unserem Bildungssystem zu einer Art von Lebensaufgabe gemacht.

Mein Ansatz als Künstler, der vor allem im Medium Malerei, aber auch in der Zeich-nung und Bildhauerei arbeitet, verbindet konzeptuelles Interesse mit handwerklicher Neugier. Als junger Schüler habe ich meine eignen Schulhefte stets selbst gestaltet und in gewisser Weise illustriert, heute experimentiere ich mit verschiedenen Format-en, Maltechniken und Ausdrucksweisen: von kindlicher Direktheit bis hin zu realis-tischer Detailtreue und meist in Öl auf Leinwand. 

Grundsätzlich bewegen sich meine Bilder im Spannungsfeld von Beobachtung, Intu-ition und Ateliererfahrung. Im Zentrum meiner Arbeit steht das Staunen darüber, wie sich Inhalte auf der Leinwand entwickeln, oft überraschend und unabhängig von der ursprünglichen Vorstellung. Andererseits entwickeln sich über die Zeit auch schon gemachte Bildvorlagen bis zu dem Punkt, an dem ich sie teils detailgetreu, teils mit Abwandlungen in die Malerei übersetze. Die Malerei ist für mich ein Medium des Forschens und Lernens – und ein Weg, alltägliche Erlebnisse in Bildsprache zu for-mulieren.

So ist etwa das Bild „Mar“ (2025), in dem ich mich auf eine eigene Fotografie be-ziehe, die auf meinen Erasmusaufenthalt in Madrid zurückgeht und den Blick aus meinem damaligen Wohnzimmer festhält und im Malprozess mit einer Imprimitur-Technik entstanden ist. Das Ergebnis erinnert schon fast an Werke der Neuen Sachlichkeit. 

Gleichzeitig gaben mir die Erlebnisse während meines Erasmusaustausches an der U.C.M. in Madrid im Studienalltag und im täglichen Leben in einer fremden Kultur und mit einer ungewohnten Sprache – auch im Perspektivwechsel mit der Sicht aus der Ferne auf Deutschland – viele Informationen über mich selbst sowie die Ge-schichte meiner Heimat.


Bei “Seed Thin“ (2026) arbeite ich hingegen mit gestischer Malerei. Es handelt sich hier um die zweite Version dieses Bildes. Dieses Gemälde habe ich zu einem kon-zeptuellen Thema für eine Gemeinschaftsausstellung gemalt, weil mir die erste Ver-sion in ihrer realistischen und farbintensiven Malweise etwas zu undifferenziert er-schien. Durch die gestische Malweise ist die zweite Version ausgereifter geworden. Außerdem war es mir wichtig, meine eigene Anwesenheit im Bild besser darzustell-en, und auch deshalb habe ich dafür diesen Malstil geändert. Durch die Direktheit und Spontanität dieser Malweise konnte ich mich so im Malakt auf der Leinwand festhalten. Das Gemälde – der Titel ist verfremdet – malte ich nach einer Teilnahme an einem Speed Dating, welches ich im Großstadtalltag auf einer Art von Abenteuer, aber eben auch auf der Suche nach neuen Geschichten besuchte, was sowohl ein überraschend unverschämtes und gleichzeitig faszinierendes Erlebnis war. Im Titel habe ich bei der zweiten Version das p, a und g von Speed Dating weggelassen. Dadurch habe ich neben der abstrakteren gestischen Malweise des Werkes „Seed Thin“ auch der Bildtitel in eine passendere Schreibweise abstrahiert. Die durch den veränderten Bildtitel entstandene weitere mögliche Mehrdeutigkeit nehme ich in An-betracht von variablem Sprachgebrauch im Malstil bewußt und spielerisch ins Gesamtergebnis auf.

Gelernt ist gelernt, könnte man über mein Repertoire an Maltechniken sagen – und gleichzeitig: Ohne Liebe wäre es ja alles nichts. Denn so können sich Räume öffnen und Bühnen entstehen: Der Malprozess ist mein Entdeckungsraum.